Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/88

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2. Der gute Berr Pastor sitzet im Keller wunderbar, – Vom Wein ist sein Antlitz erhitzet, gelüftet sein weiter Talar. – Er trinkt aus goldenem Becher und singt ein Lied dabei. – „Grüß Gott, du fröhlicher Zecher – Freund Pastor – jetzt sind wir zu zwei.“

3. Mich ergreift es mit brennendem Schmerze, mich dürstenden Schüler jetzund, – Er drückt mich an's Pastorherze, ich drücke miss Spundloch den Mund. – Ich glaub', ich verschling' ihm alleine noch alles – was liegt auch daran – Sonst hätt' es ja sicher der Eine, mein Freund, der Herr Pastor, gethan.

L. Schneiders. Akadem. Verein „Delta", Aachen.     
149.

1. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so durstig bin. – 'ne Schenke aus uralten Zeiten, die kommt mir nicht aus dem Sinn. – Die Luft ist kühl und es dunkelt, in's Wirthshaus zieht's mich hinein; – Das matte Erdöllicht funkelt durch's Fenster in traurigem Schein.

2. Die schönste Kellnerin sitzet dort drinnen wunderbar, – Ihr schelmisches Auge blitzet, es glänzt und duftet ihr Haar. – Sie grüßt mit freundlichem Nicken und bringt das Bier herbei; – Der Hammer am frischen Fäßchen ertönt wie 'ne Melodei.

3. Den Zecher im kleinen Stübchen ergreift'; mit wildem Weh'; – Er schaut nicht das holde Liebchen, er hebt nur den Krug in die Höh'! – Ich glaube, beim Heimweg reißt's ihn zusammen auf schwankender Bahn; – Und das hat mit tückischem Bocke das schöne Lorle gethan.

150.

1. Im Krug zum grünen Kranze, da kehrt' ich durstig ein; – Da saß ein Wandrer :,: drinnen :,: am Tisch bei kühlem Wein.

2. Lin Glas war eingegossen, das wurde nimmer leer; – Sein Baupt ruht auf dem Bündel, als wär's ihm viel zu schwer.

3. Ich thät mich zu ihm setzen, ich sah ihm in's Gesicht, – Das schien mir gar befreundet, und dennoch kannt' ich's nicht.

4. Da sah auch mir in's Auge der fremde Wandersmann – Und füllte meinen Becher und sah mich wieder an.

5. Bei! was die Becher klangen, wie brannte Hand in Hand: — „Es lebe die Liebste deine, Herzbruder, im Vaterland!”

W. Müller.