Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/109

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war, fuhr er fort, fand sichs, daß ich über keinen einzigen Menschen zu herrschen hatte.“

„Wie? fragte Trinkaus, du wirst doch nicht Weiber und Kinder vertilgt haben?“

„Bei Gott ja!“ sagte der Hauptmann, ich vertilgte sie von grundaus, denn sie fluchten und schimpften mir, warfen Steine auf mich und hetzten die Hunde gegen mich an. Da hab ich im rasenden Grimm Alles niedergemacht.“

„Du bist gewiß bei einigen von unsern jungen Helden in der Schule gewesen, versetzte der Derwisch, die, wenn sie erst gesiegt haben, im allzugroßen Heldeneifer zu morden, zu sengen und brennen nicht aufhören können, weil sie einmal im Zuge sind. Oftmals lodert schon dann ihr Heldenmuth in Mord und Feuerflammen auf, wenn noch gar kein Feind da ist. Aber, mein Bruder, für einen Helden wie du bist, ziemt sich solche Hitze nicht mehr. Ich wüßte ein Stück Arbeit für dich, wo sich diese Hitze sehr abkühlen und viel Ehre gewinnen ließe.“

„Was ists für eine Arbeit?“ fragte der Hauptmann, und der Derwisch antwortete: „Es gilt ohne Armee eine Festung zu erobern, die weder Thore noch Mauren noch Gräben hat. Die Mühe, welche du dabei haben würdest, würde die Hitze ziemlich mildern.“

„Höre, mein heiliger Bruder, versetzte der Hauptmann, wenn du Wein in deinem Kruge gehabt hättest, so wüßte ich wohl, was ich denken sollte. – Ein Feldherr ohne Armee? – Eine Festung ohne Thore, Mauern und Graben?“

„Ja doch, ja! sagte der Derwisch; zehn Stunden von hier ist die Festung Kikelalah. Sie liegt auf einem sechszig Fuß hohen Felsen, der rund um ganz glatt behauen, und ganz senkrecht ist. Die