Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/110

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Einwohner sind lauter Soldaten und laßen sich in Körben, deren jeder zehn Mann faßt, von den Mauern herab, um auf zwanzig Stunden umher den Tribut einzutreiben. Die Festung steht unter dem Tyrannen Dickstab, den alle Welt fürchtet, und wenn du den wirst vertrieben haben, kannst du selbst nach deinem Belieben herrschen, so gut wie der, ohne daß dir Jemand darf drein reden.

„Bruder, sagte der Hauptmann, das will ich auch, – auf meine Ehre, ich will regieren, denn die Kunst scheint mir gar nicht schwer, und der Bursche, der Dickstab, muß von dem Neste herunter und du sollst sehen, wie ich arbeiten will. Nur etwas Armee möcht ich doch haben. Laß uns eine werben, es gibt ja des verlaufenen Gesindels noch genug in der Welt.“

„Ist nicht noth, erwiederte der Derwisch. Du sollst eine Armee von acht Marschällen haben, deren Jeder allein ein Reich umkehren könnte, und ich bin der geringste unter ihnen. Du siehst wohl ein, daß acht große Generale mehr sind denn acht große Heere. Du weißt ja, wo eine Schlacht ist gewonnen oder eine Festung erobert worden, so spricht alle Welt von der Einsicht und Tapferkeit des Obergenerals und kein Mensch von den Soldaten, aus welchen die Armee besteht. Du siehst also ein, daß diese ganz überflüßig ist.“

„Wohl denn, sagte der Hauptmann, so mache mich nur mit den Generalen bekannt.“

Der Derwisch vertröstete ihn auf den andern Morgen, und sagte, daß sie viel Geschick und Naturgabe hätten, nur den Verstand müße ihnen der Anführer leihen. Felsenschneider meinte, daß sie um so tauglichere Soldaten sein würden, je dümmer sie wären, denn sie würden desto beßer blindlings gehorchen. Er erkundigte sich aber nun auch, was für eine Art Mensch Dickstab sei!