Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/121

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In den nächsten Tagen wütheten und tobten, verheerten und zerstörten, lärmten und schwärmten, und schwelgten sie eßend und trinkend, gar hoch und sehr, und trafen sie etwa auf ein kleines Kommando Soldaten, so gings demselben wie dem ersten. Immerschlaf nieste und trompetete die Soldaten um und um, und der General und die nun auch mit Säbeln bewehrte Armee, brauchten den ohnmächtig zu Boden liegenden Feinden nur die Köpfe abzuhauen. Im Lande war Alles in Verzweiflung, aber die Siegreichen waren es beinahe auch. Sie hatten zu viel und sehr gesiegt, und fanden Niemand mehr, den sie sieden, kochen und braten konnten, damit er ihnen Gesottenes und Gebratenes zurichtete, denn alle Welt war mit den Verräthern davon geflohen.

Dickstab achtete indeß der Klaglieder wenig, die ihm von seinen Unterthanen in die Ohren geschrien wurden, denn er, Er, der mildgnädige Herr, wie er sich nennen ließ, hatte ja noch Alles, was sein Herz erfreuete. Indeßen hatte jedoch ein erfinderischer Kopf ein Mittel ausgesonnen, solch einen grimmen Feind mit Vortheil zu bekämpfen. Er hatte nämlich die längst vergeßenen Turn und Gymnasien – nein! gymnastischen Anstalten wieder hervorgesucht, und insonderheit die Kunst der Balearen oder die edle Schleuderkunst, in welcher er Unterricht gab; eine Kunst, die er nebst manchen Balg- und Raufkünsten den Knaben abgesehen, und nun in seiner Anstalt geimpft und veredelt hatte.

Zum Unglück entdeckte Schauescharf die Unternehmungen des erfinderischen Kopfes, und in eben dem Augenblicke, da er den Mund aufthat, seinen Schülern die hohen Vorzüge und den mannichfaltigen Gebrauch, dieser Kunst anzupreisen, flog ein Pfeil von Zieltreffers Bogen ihm in den geöffneten Mund, und Mann und Kunst waren miteinander zugleich todt.