Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/130

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Seine Wächter hatten den Fall gehört, liefen herbei und brachten ihn wieder zu sich selbst. Sie fragten: was ihm zugestoßen sei? Er antwortete, er bekomme so wenig und so schlecht zu eßen, daß es kein Wunder sei, wenn er abfällig werde und in seiner Phantasie Dinge zu sehen geglaubt habe, deren doch keins in der Wirklichkeit vorhanden sein könne.

So dachte er in der That auch da noch, als er sich völlig wieder erholt hatte, denn er hatte den Weltweisen zugehorcht, die Alles was ihnen zu hoch ist, recht leicht und gemüthlich erklären, indem sie es Aberglauben, Phantasie und Einbildung nennen.

Die Hüter, die den Prinzen liebten, brachten ihm, gegen das scharfe Verbot des Königs, gute Speise und Trank, mit welchen sie sich selbst hinlänglich versehen hatten. Als er sich gelabt hatte, nahm er in Gegenwart der Wächter das Buch wieder vor und sahe von allem vorhin Gesehenen eben so wenig noch Etwas, als seine Wächter. So wußte er nun, woran er war, und welche Macht der Magen über den Geist hatte.

Als er aber des andern Tages wieder in die Gallerie ging, und fand wieder Alles wie des Tages zuvor, da fing er doch an, an der Phantasie zu zweifeln, zumal da er sehr gut gegeßen hatte, welches der Phantasie gar nicht zuträglich sein soll. Er vermuthete, daß hierunter ein Geheimniß liegen müße, welches es auch sein möge, und suchte dahinter zu kommen.

Er stieg mühsam ins oberste Stockwerk hinauf; schlug an verschiedenen Stellen mit einem Hammer gegen die Mauer, bis er eine Stelle fand, die ihm hohl zu sein schien. Er öffnete dieselbe und fand einen goldenen Pfropfenzieher, mit dem er nichts anzufangen wußte. Indem er darüber nachsann, fällt ihm ein großer Eckschrank in die Augen, der alt und unscheinbar in einem Winkel stand. Er