Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/134

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gestaltet waren. – Unverwandt heftete der Adler seine Augen auf die schlafende Schöne, schwang dann seine Flügel, um auf dieselbe hinzufliegen, und in seinen zitternden Schwingen und Federn lag unverkennbar ein Ausdruck voll Sehnsucht, aber eine unsichtbare Gewalt schien ihn zu hindern bis zu derselben hinzugelangen. Er betrachtete sich nun den Prinzen mit scharfem Auge, flog dann auf denselben zu und überreichte ihm den Zweig. Dabei erhoben die Vögel ein fröhliches, aber durchdringendes Singen und Zwitschern.

Der Prinz brachte den Adler, den Zweig und die schlafende Dame in seinen Gedanken in Verbindung, und hatte darüber keinen Zweifel, daß hier ein Zauber walte. Er nahm den Zweig und berührte die schöne Schläferin damit, die in demselben Augenblick erwachte, den eben mit einem traurigen Schrei entfliehenden Adler erblickte und ihm, die Arme nach ihm ausbreitend, nachrief: „Bleib! o mein Geliebter, bleib.“

Er blieb nicht und die Dame wendete sich jetzt zu dem Prinzen. „Ich weiß, was ich dir schuldig bin, sagte sie; dir verdank ichs, daß ich aus einem Schlaf erwacht bin, der schon zweihundert Jahr gedauert hat, und an welchem die verhaßte Liebe eines Zauberers Schuld war. Es steht in meiner Macht dir zu vergelten, sage nur, was du wünschest; ich bin eine Fee.“

„Ich bin wenig zu beklagen, antwortete der Prinz, obwohl die Natur ein wenig allzu ungünstig gegen mich gewesen ist. Alles, was ich wünsche, ist, Euch zu dienen, und, wenn ich es vermag, Euch zu Eurem Geliebten zu verhelfen.“

„Großmüthige Seele, sagte sie, du verdienst glücklich zu sein; sei äußerlich so schön, als du es innerlich bist.“ Bei diesen Worten berührte sie ihn mit ihrem Zweig, und in dem Augenblick war er