Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/136

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Ich habe mich einmal in den Handel eingelaßen, und habe so einige Hoffnung, trotz Eurer Ungnädigkeit ihn auszuführen.“

Es ist Schade, daß wir nicht so ausführlich beschreiben dürfen, mit welchen anmuthig spitzen Worten sich noch beide Theile ein wenig zu prickeln und anzubohren fortfuhren. – Indeßen wurde der König aufgebracht, entfernte sich ohne weiter zu antworten, und ließ die Prinzeßin in ihre Zimmer bringen.

Sie wurde bald allgemein von den Hofdamen geliebt, aber sobald diese zu Gunsten des Prinzen Krummbuckels wirken wollten, wurde sie sehr ernst, und brach das Gespräch ab, denn so weise sie war, wollte sie dennoch keinen Gemahl, an dem nichts gut wäre, als blos die Herzensgüte. Das gute Kind fühlte sehr wohl, daß es ein eignes intereßantes Ding um eine erträgliche Menschengestalt ist.

So war es eine Zeitlang gegangen; als der König die Nachricht von dem erdichteten Tode seines Prinzen bekam. Jetzt kam er beinahe von Sinnen, nicht weil sein Prinz todt war, sondern weil mit deßen Tode alle Vergrößerungsplane gescheitert waren. Er mußte einen Gegenstand haben, an welchem er seine Wuth auslaßen konnte, und er nahm die Prinzeßin dazu und ließ sie sogleich, statt des Prinzen, in den Thurm einsperren. Die Arme wußte nicht, warum sie so übel behandelt wurde; sie sprach stark zu ihren Hüterinnen gegen das ihr zugefügte Unrecht, aber Niemand wagte, dem Könige es zu hinterbringen.

Die Prinzeßin mußte sich fügen. Zu ihrer Unterhaltung ging sie täglich auf die Galerie, dort die Gemälde zu betrachten. Sie konnte nicht begreifen, warum sie dort überall ihre eigene armselige Figur abgebildet fand, und hielt es für eine rachsüchtige Tücke des Königs, zumal da sie überall auch die Bildniße einer wunderschönen Schäferin und eines eben so schönen Schäfers auf den Gemälden antraf.