Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/147

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und habe meine Freude daran. Für Geld aber ist meine Kunst viel zu hoch!“

„Nun, das heißt das Maul voll nehmen;“ sagte der riesige Mann.

„Gar nicht! erwiederte der alte Spielmann. Ich mache die Traurigen fröhlich, und tröste sie; ich errege Mitleid und Thränen; ich besänftige den Zorn der Frauen, errege Liebe, mache zärtlich, empfindsam, und noch vieles Andere mehr, Alles durch Macht und Gewalt meiner Töne.“

„Nun, das heiß ich aufschneiden!“ sagte der Zauberer, aber Lulu stellte sich sehr beleidigt, steckte seine Flöte ein und schien fortgehn zu wollen.

Der Zauberer hielt ihn beim Arm, und sagte, er möge doch Spaß verstehen; fragte ihn, wer er sei? und woher er sei? und als er vernommen, der Spielmann sei als eine verlaßene Waise von einem Derwisch aufgenommen, der hab ihm das Spiel gelehrt, und diese Flöte geschenkt, mit welcher er die Welt durchzogen, da mochte der Zauberer denken, er sei sicher bei diesem Alten, und kam mit dem Antrage hervor, mit in sein Schloß zu gehen, und ein störriges Ding von Jungfrau, das ihn nicht heirathen wollte, ihm mit seiner Flöte geneigt zu machen.

„Herr, sagte Lulu, Ihr fordert grade das Schwerste von mir, das mir gar oft wohl auch gelungen ist, aber nicht allemal. Indeßen will ich es Euch zur Liebe versuchen; aber nach einigen Stunden muß ich weiter ziehn!

„Du darfst aber nicht mit meiner Frau sprechen, sagte der Zauberer.“

„Sehr wohl, erwiederte Lulu entrüstet; was geht mich denn seine Frau und seine Burg an? Geh der Herr hinein und pfeife