Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/154

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die Jungfrau an, die nun erröthend und mit ängstlicher Schaam die Augen niederschlug. Das hielt der Zauberer für ein sehr gutes Zeichen, und das war es auch wohl, aber nur freilich für ihn nicht.

„Ja, du zürnst nicht mehr! sagte der Zauberer, du sahst, wie treu ich dich liebe; willst du mir denn auch nun ein wenig gut sein?“

Lulu hatte indeßen die rechte Hand auf sein Herz gelegt, und blickte sehnsüchtig die Jungfrau an. Diese aber sagte: „Wenn ich dich nun lieb hätte, würdest du mich und meine Jungfrauen von der Sklavenarbeit befreien?“ Das versicherte der Zauberer mit theuren Schwüren, Lulu aber breitete die Arme gen Himmel aus.

„Beweise mir deine Liebe durch Thaten, sagte Sidi zum Zauberer, blickte aber dabei verstohlen auf Lulu, du wirst ja dann sehen, ob ich dich lieben werde.

Das war dem Zauberer ein köstliches Wort, und er wollte in seinem Entzücken die Jungfrau umarmen. Da drehete Lulu schnell seinen Ring und stieß so heftig in die Flöte, daß das Schloß erbebte, die Thüren erzitterten und die Fenster klirrten. Der Zauberer fuhr erschrocken zurück und die Mädchen erhoben ein Angstgeschrei. Selbst Lulu erschrack, lockte aber sogleich schmeichelnde besänftigende Töne aus der Flöte hervor. Das war sein Glück, denn der Zauberer hatte schon die Hand ans Schwerdt gelegt und rief grimmig: „du alter Gaudieb, was bläsest du so gräßlich? Nimm deine Kehle in acht, das will ich dir rathen!

Lulu entschuldigte sich, er habe unversehens einen falschen Griff gethan, den die Flöte nicht ertrüge, ohne laut aufzukreischen, der Zauberer aber rieth ihn, sich vor den falschen Griffen zu hüten.

Sidi bat den Zauberer schmeichelnd dem Alten zu verzeihen, der ja so viel schönes geblasen habe; die Flöte möge wohl ein wunderliches