Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/167

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und die Schwester verkaufte die Besen und führte den kleinen Haushalt von dem Erlös.

Zuweilen ging es ärmlich her und wollte nicht zulangen, dann munterte sie der zweite Bruder auf, der gar ein vergnüglicher Bursche war, und sagte: „Potz Hundert! Potz Fünfundzwanzig; Besenbinders Kinder verderben nicht, wenn sie auch einmal darben müßen, und wenns der Himmel will, werden wir noch vornehme Leute.“

Einsmals waren sie auch in den Wald gegangen und der Jüngste war auf einen großen Baum geklettert, um die Aeste abzuhauen. Da fand er ein artiges dunkelfarbiges Vögelchen auf einem Neste sitzen. Das flog nicht fort, sondern sah ihn mit hellen Augen recht zutraulich an.

„Ei! sagte der junge Bursche, du bist ja ein recht lieb niedliches Vögelein! Du weißt es wohl ordentlich, daß ich solchem hübschen lieben Herrgottsthierchen nichts thue?“ Dabei streichelte er das Vöglein, welches fromm sitzen blieb und mit dem Kopf nickte.

Da sahe er, wie unter dem Einen Flügel, etwas Goldenes hervorschimmerte, und sagte: „Laß dir dein Flügelein aufheben; da schimmerts drunter hervor wie Gold!“ Aber da hob das Vöglein den Flügel von selbst auf, und es lag unter demselben ein kleines Goldei.

„Darf ichs dir wegnehmen? fragte der junge Bursche, oder, kannst du es ausbrüten? da will ichs dir laßen.“

„Wegnehmen!“ sagte der kleine hübsche Piepvogel, und nickte mit seinem Köpfchen dazu.

Der junge Bursche ging mit dem kleinen Goldei zum Goldschmidt, welcher sagte, es sei so feines Gold, als es noch niemals gesehen hätte, und gab ihm viel blanke Silberthaler dafür. Am