Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/17

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„Das ist für mich, sagte er, und ist mein. Du magst zusehen, woher Du etwas zu eßen willst nehmen. Versuche das hier, sagte er, indem er ihr die Eierschalen zuwarf; ich habe nicht mehr für Dich. Doch gibt es noch Frösche im Sumpfe genug, die magst Du dir holen.“

Da ging das arme Kind still weinend in sein Kämmerlein und klagte dem lieben Gott seine Noth. Im Kämmerlein aber düftete es mit gar lieblichem Geruch. Das thaten die Nelken, die frisch und herrlich da standen, und über welche das Mädchen sich so herzinnig freute, daß es den Bruder und den Hunger vergaß und aufhörte zu weinen.

Da sah es nun seinen Nelkenstock an. Der aber war ziemlich trocken. Da sagte Glückskindchen:

„Ihr lieben, süßen, holden Nelkenblumen, wie sollt ich denn Euer vergeßen. So schön riecht ihr, und habt so prächtige Farben! Nein ihr sollt mir nicht dürsten!“

Drauf nahm sie den Krug und eilte im Mondenschein zum Brunnen, Waßer zu schöpfen, und die Blumen zu erfrischen. Der Brunnen war aber weit, und sie hatte sich müde gelaufen, als sie hinkam, und setzte sich an dem kühligen Brunnen nieder, um erst ein wenig auszuruhen. Sie hatte ja daheim ohnedieß nichts zu schaffen und zu eßen.

Als sie so da saß, da kam ein großes Wesen und Gethue daher, mit großer Pracht und Herrlichkeit, und eine vornehme Frau war darunter, mit einer Krone auf dem Haupte, die glänzte im Silberlicht des Mondenscheins gar wunderherrlich, wie Diamanten und Perlen, aus welchen denn eben die Krone bestand, und viele hochgeputzte Frauen und Herren begleiteten die vornehme Frau mit großer Ehrfurcht.