Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/178

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
19. Das Waßer des Lebens.

Ein König, der drei Söhne hatte, wurde so krank, so sehr krank, daß keine Arztneien mehr helfen wollten. Da dachten sie, er müßte sterben, und die Aerzte hatten das auch gesagt.

Die Söhne gingen in den Garten und weinten. Da kam ein altes Männlein, das sagte: „Was weint Ihr, und seid so betrübt in Eurer Seele?“ Da erzählten sie ihm, der Vater sei so krank, und könne ihm nichts mehr helfen; da würde er sterben müßen, und dann wäre er todt!

„Ja, sprach der Alte, das ist schon wahr; aber ich weiß doch ein Mittel, wenn er das braucht, so soll er schon leben bleiben; das ist nämlich das Waßer des Lebens, welches aber sehr schwer zu finden ist.

„Das will ich schon finden!“ sagte der älteste Prinz, der ein wenig hochmüthig war, und dachte, weil er doch einmal der Kronerbe würde, so könnts ihm nicht fehlen.

Er bat den kranken König um Urlaub, um das Waßer des Lebens zu holen. Der König wollte ihm denselben nicht geben, weil das Werk so gefährlich sei; aber weil der Kronprinz doch gar zu sehr bat, der König aber auch gar zu gern noch ein kleines Weilchen leben wollte, so ließ er ihn gehen. Der Prinz aber dachte, find ich das Waßer des Lebens, so erb’ ich das Reich um so eher gewiß; sonst könnt es der Vater wohl gar noch einen von den andern Brüdern schenken.

Der Prinz zog fort, nachdem er sich erst nach dem Waßer des Lebens hatte erkundigt, und zog weiter und immer weiter, viele Tage lang.