Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/318

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

lachen? rief noch entzückter der Sultan, möchtest du doch auch sprechen können.“

„Ich kann es, mein König, und werde von nun an sprechen!“ Das Erstaunen darüber machte den Lärm der Freude stumm, und in einigen Augenblicken hieß es überall am Hofe und in der Stadt: „die Königin kann sprechen!“ und Manche sagten sogar: „die stumme Königin kann sprechen!“

Der König forschte, als er mit seiner Gemahlin allein war, nach der Ursach ihres langen Schweigens. „Krone der Kronen, sagte er, ich bin seeliger als Gott selbst. Aber nun sprich auch, warum du so lange stumm warst?“

Da sprach sie denn.

„Herr, erzählte sie, ich heiße Gülnare oder Meerrose und bin die Tochter eines mächtigen Meerkönigs. – –

„Was? fiel er ein; Meerkönigs? unten im Meer? Menschen dort? Staaten, Länder, Könige, Fürsten und Herren? – Gegen alle Philosophie und Vernunft?“

„Warum denn nicht? fragte sie; ist doch des Meeres weit mehr als des Landes. Aber laßet mich fortfahren.“

Mein Vater hinterließ das Reich meinem Bruder Saleh, aber ein boshafter Nachbar überfiel diesen so unvermuthet, daß ihm kaum Zeit blieb, sich mit mir und unserer Mutter und mit einigen Getreuen in eine unbezwingliche Festung zu retten.

Saleh faßte einen kühnen Gedanken, sein Reich wieder zu gewinnen; aber, sagte er zu mir, da unser Unglück und unsere Erniedrigung in den Reichen des Meeres bekannt sind, so bin ich zuerst für deine Sicherheit besorgt. So schön du bist, würde sich doch der kleinste Meerkönig für entwürdigt halten, dich zum Gemahl zu nehmen,