Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/319

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denn du bist unglücklich mit mir; ich will dir einen Erdkönig suchen.

Darüber wurd ich entrüstet und es kam zwischen uns beiden zu harten Worten. Im Unmuth erhob ich mich aus den Tiefen des Meeres und begab mich auf die Mondinsel, wo ich es ganz bequem hatte. Ich hielt mich für sicher, aber als ich einsmals schlief, überfiel mich ein Sklavenhändler mit seinen Leuten, band mich und führte mich fort. Er verkaufte mich an einen Kaufmann, dieser wieder an einen andern, bis ich endlich zu Euch kam, wo ich mir vornahm, meine Erniedrigung zu verschweigen; aber Euer großes Entzücken und Eure Liebe haben mir den Mund geöffnet.

Mit manchem Kopfschütteln und mit: „So? und Hm?“ hatte der Sultan zugehört. „Also doch wahr und wahrhaftig eine Waßerwelt! – Meerprinzen und Meerfräulein, jung und alt! Ich hätte es nimmermehr geglaubt, wenn Ihr mir es nicht sagtet und selber daher wärt. Aber wie gehts und stehts denn dort unten bei Euch zu?“

Herr, sagte Gülnare, es geht dort unten fast so zu, wie hier oben auf der Erde bei Euch. Wir gehen auf dem Boden des Meeres umher, bauen Städte und Schlößer; säen, pflanzen und ernten mancherlei Meergewächs; eßen Meerthiere; athmen Waßer ein, wie Ihr die Luft einathmet; lieben und bekriegen uns, tragen Kleider, die aber nie naß werden; haben aber ungemein scharfe Augen; bewegen uns schneller als der Sturm; haben Feste und Tänze und Wettrennen; Paläste von Marmor oder Korallen oder noch köstlicherm Gestein; haben Marställe mit Seeroßen, vorzüglich zu Lustbarkeiten, und besitzen Gold, Perlen und Edelsteine in großer Menge. Der Staaten und Reiche sind mehr