Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/32

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hereinzog. Es bekam jetzt so viel Erbsen und Brosamen, als es nur wollte, und dafür standen immer auf dem Tische viel beßere Gerichte, wohlschmeckend und gesund, aber nicht eben leckerhaft.

Eines Tages sahe die Königin aus dem Fenster, denn sie mußte doch wißen, wie lang das Seil sein mußte, um das Kind daran herabzulassen. Auch ging zum Glück eine alte ehrbare Frau vorbei, die sahe hinauf und sagte: „Ich weiß deine Noth wohl, du arme Gefangene, und bin bereit dir zu dienen.“ Da bat die Königin dieselbe, alle Abend unter das Fenster zu kommen, wo sie nächstens ein Kind wollte am Seile herablaßen, deß sollte die Frau sich annehmen und sie wolle es ihr gut vergelten, hätte Gott nur erst aus dem Thurm geholfen.

Die Alte sagte: „nach Geld und Gut frag ich nicht sehr, denn ich habe deßen so viel ich brauche, aber ich habe zuweilen ein seltsam Verlangen ein fettes Mäuslein zu speisen. Fange doch einige und tödte sie und wirf sie vom Thurme mir zu, so will ich dafür mich deines Kindes erbarmen.“

„O ich Unglückliche, rief die Königin und weinte, ich Unglückliche! Es ist nur ein einziges Mäuschen auf meiner Kammer, das ist so freundlich und zuthulich, und ist meine einzige Gesellschaft. Mein Herz würde mir brechen, wenn ich es tödten sollte!“

„So? sagte die Alte spöttisch. Nun wenn du deine Maus lieber hast, als dein Kind, so ist es mir auch recht; ich will schon noch Mäuse anderswo finden!“ Damit ging sie murrend davon.

Aber die Königin war nun untröstlich und sahe das Eßen nicht auf ihrem Tische, und das freundliche Mäuschen nicht, das in der Kammer umherspielte.

In derselben Nacht brachte die Königin ein wunderschönes Kind zur Welt, welches ein Mädchen war. Die Königin küßte es mit