Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/33

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tausend Thränen und jammerte: „Wer wird dir nun helfen, du kleiner holder Engel? Ach ich muß von dir scheiden; ich muß!“

Sie legte das Kind ins Körbchen und band das Körbchen ans Seil. Sie hatte einen Zettel mit zum Kinde gelegt, darauf stand, es sollte Thränenblüthe heißen, und sei ein sehr unglückliches Kind.

Als sie es nun wollte herablaßen, und hatte es zuvor noch geküßt, kam die kleine Maus und sprang zum Kinde ins Körbchen. Da sprach die Königin: „Ach du liebes kleines Thier, du weißest nicht, wie viel du mich kostest. Vielleicht mein armes Kind! Ich sollte dich tödten, aber das konnt ich nicht übers Herz bringen.“

Da that die Maus das kleine Spitzmaul auf und fing an zu sprechen, worüber die Königin gewaltig erschrack, weil sie das nicht vermuthet hatte. Die Maus sprach aber: „Es soll dich auch nicht gereuen, was du gethan hast.“

Als sie das gesagt hatte, verwandelte sich die Maus; die kleinen Vorder- und Hinterpfoten streckten sich aus und wurden Hände und Füße, und der kleine Kopf wurde ein Menschenkopf und Angesicht, und wuchs Alles an ihr größer und immer größer, und stand zuletzt die Fee da, welche sie mit dem bösen König besucht hatte.

„Königin, sprach die Fee, ich wollte dein Herz nur prüfen, weil mich gleich anfangs dein Unglück jammerte, und ich habe dich sanft und gut gefunden. Ich war die Maus nicht nur, sondern war auch die alte Frau. Nun will ich mich deines Kindes treulich annehmen, und es soll einmal deine Freude und dein Stolz sein!“

Jetzt ließ die Fee die Kleine am Seile herunter, und verwandelte sich wieder in eine Maus, denn sie mochte wohl nur in dieser Gestalt zum Thurme hinaus können. Die Fee kroch als Maus zum