Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/411

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Schatze nicht, und dieses allein schien ihm mehr werth, als alle übrigen Kostbarkeiten, die er besaß, zusammengenommen.

„Ich danke Dir, sagte er zu dem Indier, daß Du mich mit einer solchen Kostbarkeit bekannt gemacht hast, und um Dir zu beweisen, wie hoch ich es achte, bin ich bereit es zu kaufen, wenn Du es ablaßen willst.“

„Herr, erwiederte der Indier, ich wußte wohl, daß der mächtigste Monarch auf Erden, der seiner Weisheit wegen allenthalben gepriesen ist, mein Wunderpferd nicht nur schätzen, sondern auch zu besitzen wünschen würde, und ich bin bereit, es den hohen und edeln Wünschen Ewrer Majestät zu überlaßen. Aber ich weiß nicht, ob Ihr die Bedingung zu genehmigen geruhen werdet, unter welcher ich es allein abstehen kann. Ich habe dem Meister und Erfinder deßelben meine einzige Tochter dafür gegeben und demselben versprochen, es nur durch Tausch in andere Hände kommen zu laßen.“

„Wohl! antwortete der König, ich bin zum Tausch bereit. Wähle Dir unter meinen Provinzen und Städten eine aus, welche Dir gefällt, ich trete sie Dir ab.“

Die Gedanken des Indiers aber gingen um Vieles höher hinauf. „Herr, sagte er, verzeihet. Nur um den Besitz der Prinzeßin, Eurer Tochter, kann ich mein Pferd vertauschen.“

Die Großen des Hofs lachten theils, theils wurden sie unwillig, theils bedenklich über die ausschweifende Forderung des Indiers, der König selbst aber schien sichtlich zu schwanken. Das Pferd war einzig in seiner Art, aber die Prinzeßin in der ihrigen gar nicht. Was sollte er thun?

Als der Thronerbe Firuz Schah, ein feuriger Prinz, die Unschlüßigkeit des Vaters merkte, sagte er: „Wie? gnädigster Herr, ist es möglich, daß Ihr einen Augenblick über die vermeßene