Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/423

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sollte nur, mit mancherlei Rückfällen, allmählig gesund zu werden scheinen, und auf dem Zauberpferde wolle er sie davon führen.

Wie erfreut war der Sultan über den außerordentlich günstigen Anfang der Heilung; und als am dritten Tage die Prinzeßin den Sultan empfing und mit ihm vernünftige Worte sprach, war er so entzückt, daß er fast Luftsprünge in seiner Sultanskrone gemacht hätte. Er erklärte den Derwisch für den ersten und einzigen Arzt der Welt, zum geheimen Oberbergrath und zweitem Oberstallmeister, zum geheimen Schlüßelträger und zufolge deßen, natürlich, zum ersten Leibarzt, der ihm Unsterblichkeit verschaffen müßte.

Seit acht Tagen waren die Anwandelungen der Prinzeßin immer seltener und schwächer geworden, aber in den nächsten acht Tagen kam es nicht weiter mit ihr. Früh vier Uhr hatte sie jeglichen Tag heftige Anwandlungen, und der Derwisch sagte, hier sei noch Etwas von Zauberei verborgen, wohinter er, alles Fragens bei der Prinzeßin ungeachtet, nicht kommen könnte. Hätte er nur heraus, woran es hier hinge, so sollte sie der Sultan jede Stunde heirathen können.

„Wetter! sagte der Sultan; Herzensfreund! Sie ist auf einem verdammten Pferde, welches in meiner Schatzkammer steht, durch die Luft hier angekommen, und in dem Pferde liegt die Zauberei gewiß und wahrhaftig, glaube ich!“

Euer Scharfsinn betrügt Euch nicht, sagte der Derwisch. Dann schwieg er mit sinnender Miene und zählte und rechnete an den Fingern; dann that er seinen Mund auf und sagte: „Befehlt, daß man mir in Allem, was ich verordnen werde, streng folge; übermorgen um fünf Uhr soll sie gesund sein, oder ich will mein Leben verloren haben.“