Seite:Loehr Buch der Maehrchen 2.pdf/44

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und als er sie einige Augenblicke in Händen gehabt, verwies er dem Jusuf seinen Glauben an Mährchen.

„Eilt aus dem Garten, Herr, eilt! eilt!“ bat Jusuf, und hatte kaum die Worte gesprochen, als die Diener und Knechte keuchend und mit Entsetzen von verschiedenen Seiten herbei liefen und schrien – „Es kommt! – Kommt, rettet Euch! – lange Ohren! – – Feueraugen! schrecklichen Rachen mit langen Zähen! – – stehn aus dem Maul weit hervor! – – Zunge hängt zum Halse hinaus! Rettet Euch!“

Jetzt brüllte es fürchterlich, und in Einem Augenblicke stand ein schwarz schuppigt Ungeheuer da, mit Schlangenschwanz und Drachenkrallen, und langen Zähnen und hervorhängender Zunge und Schlappohren[1] und mit Hörnern auf dem Kopf.

Jetzt wollte Hali sich retten, aber vor Entsetzen konnte er nicht von der Stelle. Im Augenblick hatte das Ungeheuer seinen Schwanz um den Kaufmann geschlungen und ihn mit zwei Krallen mörderisch bei den Achseln gepackt, und sahe ihm mit seinen Flammenaugen blutlechzend ins verblaßte Gesicht.

„Hast mir mein Röslein gebrochen, sagte es mit dumpfen Gebrülle, dafür brech ich dir den Hals!“

Was half dem Hali sein Jammern und Wimmern; was halfs, daß er dem Unthier erst zehn, dann zwanzig und zuletzt alle seine hundert Kameele mit ihrer Ladung zur Lösung anbot, das Ungeheuer wurde nur noch grimmiger und drückte ihm die Krallen noch schmerzlicher und tiefer ein, und sagte: deines Bettels bedarf ich nicht, ich hab deßen tausendmal mehr denn Du? Löse Dich beßer, und gib mir Sumi, deine Jüngste, zu eigen, für welche du das Röslein brachst. Und als der Kaufmann abermals bitten wollte, schlug ihm das böse Ungeheuer die Kralle in den Hals und knirschte mit den


  1. Verbeßerungen S. 471: st. Schlepohren l. Schlappohren