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haben aus ihm immer gern einen lyrischen Hasenpfeffer oder einen gut gespickten Balladenbraten gemacht. Auch in der bildenden Kunst spielte er eine Rolle; die alten Ägypter bildeten ihn gern ab oder formten Amulette nach seinem Ebenbilde, denn sie hielten ihn für ein glückbringendes Tier. Das glaubt man auch heute noch, vorausgesetzt, daß er einem nicht über den Weg, sondern in die Küche rennt.

In der deutschen Literatur nimmt der Hase einen hervorragenden Platz ein. Ich erinnere nur an das bei aller Sinnigkeit durch seine raffinierte Kunstform bedeutende Gedicht, das anscheinend aus der vorkarolingischen Zeit stammt: Lepus, der Hase, Sedebat, er saß, In via, auf der Straße, Edebat, er aß.

Nicht minder bekannt ist das reizende Poem: Häschen in der Grube saß und schlief; Armes Häschen bist du krank, Daß du nicht mehr hüpfen kannst; Häschen hüpf, Häschen hüpf!

An die schwermütige Poesie Lenaus erinnert folgende Hasenballade: Zwischen Berg und tiefem Tal Saßen einst zwei Hasen, Fraßen ab das grüne, grüne Gras bis auf den Rasen. Als sie sich nun satt gefressen, Setzten sie sich nieder, Kam der Jägers-, Jägersmann, Schoß sie beide nieder.

Das folgende Lied, dessen Verfasser leider auch unbekannt ist, scheint der modernen impressionistischen Dichterschule anzugehören, wie man aus der grotesken Bizarrerie der Form und der messerscharfen Pointierung der Fabel schließen kann: Der Jäger und sein Hund Fanden ’n Hasen und Wollten ihn schießen, aber Derselbe lief in den Haber.

Der Hase ist dem Jäger so wichtig erschienen, daß er ihn zum Gegenstand einer besonderen Geheimsprache gemacht hat. In der Jägersprache heißt er im allgemeinen der Krumme, der männliche Has Rammler, der weibliche Satzhase, die Jungen Quartalshäschen, woraus aber nicht ähnliche Schlüsse zu ziehn sind wie beim Quartalssäufer. Der Schwanz heißt die Blume, die Beine Sprünge, die Ohren Löffel, die Eingeweide

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/119&oldid=- (Version vom 1.8.2018)