Seite:Loens Der zweckmaessige Meyer.pdf/79

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Heinrich Fricke, bestanden darauf, daß auch diese Seen abgefischt werden müßten. Das Ergebnis war auffallend groß; nicht weniger als fünfzehn Stecherlinge, ein Rückenschwimmer, verschiedene Wasserkäfer und ein Pferdeegel wurden erbeutet und in das Einmacheglas getan, außerdem mehr Kaulquappen, als man nötig hatte.

Über den Pferdeegel entspann sich eine erregte wissenschaftliche Debatte. Aadje Schlöber, der ihn fing, nannte ihn eine Blutihle, worauf Heinrich Fricke behauptete, es sei ein Ferdsegel. August Dusendahl aber meinte, es sei ein Ferdsigel, worauf Heinrich Fricke versetzte, wenn es ein Igel wäre, hätte er Stacheln; da er aber keine habe, so sei es ein Egel.

Noch war dieser Streit um die Synonima nicht entschieden, da stieß Kürchen Dusendahl, der das wichtige Amt innehatte, den großen Einmachepott zu tragen, einen furchtbaren Schrei aus und ließ den Pott mit allen darin befindlichen Krabbeltieren fallen. Er hatte den Rückenschwimmer, dem es in dem Topf zu eng und zu voll war, gerade erwischt, als er mit seinen dicken Kulpsaugen über den Rand kuckte, und ihn schnell gepackt. Bei seinem Mangel an wissenschaftlicher Vorbildung wußte er nicht, daß diese Wasserwanze ganz niederträchtig mit dem Rüssel stechen kann, und hatte sie arglos in die Hand genommen. Nun tanzte er wie verrückt herum, schlenkerte den brennenden Zeigefinger in der Luft und schrie: „Er hat mich gebissen, er hat mich gebissen. Wenn ich man nicht blutvergiftet bin. Will’s mir keiner aussaugen?“

Der traurige Fall wurde eifrig beraten. Schließlich band man dem Verunglückten mit einem Taschentuch etwas nassen Sand auf den Finger, und dieses alte Hausmittel, zu dem Zieschen Schlöber geraten hatte, die einmal von einer Biene in die Nase gestochen und von Muhme Emilie mit feuchtem Sand behandelt war, beseitigte bald den Schmerz. Da sich bis heute weiter keine schlimmen Folgen gezeigt haben,

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/79&oldid=- (Version vom 1.8.2018)