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Wochen noch einer, und den verspeiste Quaaks am ersten Juli mittags um zwölf Uhr dreißig Minuten.

Und als er ihn herunter hatte, war er froh, denn er mochte keine Fröschchen mehr. Er hatte sie sich übergegessen. Aber gut angeschlagen waren sie ihm. Er hatte ein Doppelkinn wie eine Schlachtermeisterswitwe, einen Hängebauch wie ein Kantinenwirt, und mußte sich neues Zeug zulegen, denn das alte platzte ihm am Leibe. Wo er seine abgelegte Garderobe ließ, bekam ich nie heraus. Ob er sie an Isidor Brand, der wie bekannt kauft allerhand, losschlug, oder an Bedürftige abgab, blieb mir, wie so vieles bei ihm, ein Geheimnis.

Im Juli vorigen Jahres warf ich einen kleinfingerdicken Regenwurm als Futter für die Schwimmkäfer in den Teich. Nach einer Weile hörte ich ein erhebliches Plätschern. Der Wurm hatte ein Seerosenblatt als Rettungsboot benutzt, aber dadurch war er aus dem Regen in die Traufe gekommen. Quaaks stürzte sich auf ihn und schlang ihn hinab. Es war eine Mahlzeit in Fortsetzungen, eine von zehn zusammenhängenden Gängen. Quaaks schluckte und stopfte mit den Händen nach, der Wurm wand sich, Quaaks schluckte und stopfte, und nach einer halben Stunde war der Riesen- oder Abgottswurm verschwunden und Quaaks hatte doppelte Taillenweite.

Drei Tage und drei Nächte lag er mit weit weggestreckten Gliedmaßen auf dem Gewirr von Wasserpest und Krebsscherblatt. Am Morgen des vierten Tages war er verschwunden und ward nicht mehr gesehen.

Das war des Wurmes Rache, das war das Ende von Quaaks.

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/94&oldid=- (Version vom 1.8.2018)