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alles, was zwischen Reff und Strand lebte und webte, durcheinander brachten, Sand und Steine, Tang und Seegras, Fisch und Gewürm, Schnecken und Muscheln.

Ein dicker Dorsch, der schon manchen Sturm erlebt hatte und auf die Kraft seines Schwanzes vertraute, stieg spaßeshalber aus der Tiefe auf, um sich den Kuddelmuddel da oben ein wenig anzusehen und dabei im Trüben zu fischen. Er schluckte und schluckte, was er an junger Dorschbrut vorfand, und paßte dabei nicht auf. So kam es, daß er mit der Breitseite gegen die Brandung geriet. Quatsch, hatte er eins gegen die Rippen, daß ihm dumm zumute wurde. „Oha!“ dachte er und wollte sich mit dem Kopfe gegen die Wellen stellen; aber pratsch, da hatte er schon wieder eins gegen Backbord, wurde um und um gestülpt, bekam noch eins gegen Steuerbord, und nun, rumms, eins gegen das Vorderdeck, und bumms, eins gegen das Achterdeck, und jetzt war ihm so, als wenn er leck sei, denn ihm fehlte das, was er zum Leben am nötigsten brauchte, Salzwasser.

„Grroßaartigerr Dorrsch,“ quarrte es bei ihm, und er bekam eins gegen das eine Auge, daß ihm schlimm wurde. „Prrachtvollerr Dorrsch,“ ging es wieder, und abermals hatte er einen Schnabelhieb weg. Das waren zwei Krähen, die auf diese heimtückische Weise ihr Strandrecht ausübten. Die Möven aber waren damit nicht zufrieden. Die eine keifte: „Mir hört er!“ Und die andere zeterte: „Nein, mir!“ Und die anderen zwanzig und dreißig schlossen sich ihnen an. „Nicht waahrr,“ quarrte die eine Krähe. „Weg da!“ schimpfte die andere; „wir waarren zuerrst daa!“ Und ohne sich um die Möven zu kümmern, die in einem fort „Gemeinheit, Schweinerei!“ und ähnliches schrien, bearbeiteten sie den armen Dorsch derart, daß es bald mit ihm zu Ende war.

Fuchsteufelsfuchtig flogen die Möven weiter, fischten hier eine Seenadel, da einen zollangen Dorsch, dort einen Stichling und benahmen sich dabei so gesittet, daß der Nordost

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/96&oldid=- (Version vom 1.8.2018)