Seite:Loens Der zweckmaessige Meyer.pdf/97

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

seine helle Wut darüber hatte. Mit einemmal lachte er im Halse, denn am Schar hatte er drei Butt gesehen. Er blies in die Brandung, daß die armen Plattfische auf einmal ihre weiße Kehrseite zeigten und im nächsten Augenblick bereuten, sich aus dem sicheren Tief emporgewagt zu haben. Aber nun war es zu spät für alle guten Vorsätze. Eine nach der anderen flog erst über die Brandung hinaus zwischen die Feuersteine, und über ihnen stießen die Möven hin und her und schrien: „Mein Butt!“ „Nein meiner!“ „Nicht wahr, meiner!“ „I wo, meiner alleine!“ Dabei hatten sie sie noch gar nicht einmal, denn der Wind machte sich den Ulk, die drei Butt wieder zurückzuwaschen, und nun ging es los: „Gemeinheit, Schweinerei, Niederträchtigkeit!“ Und dabei schwebten sie über der Brandung, in der die drei Butt bald auf-, bald untergingen. Schließlich warf der Nordost sie alle drei auf den Strand, und nun waren die Möven wieder die Dummen, denn da lauerten schon sechs andere Krähenpaare, und die Möven mochten noch so heftig Einspruch erheben und sich auf ältere Rechte berufen, ihnen blieben nur die blanken Gerippe.

Immer bösartiger wurde der Wind, so bösartig, daß es schon mehr ein Sturm war. Von Stunde zu Stunde wühlte er die Vordüne tiefer auf, so daß das Wasser erst gelb vom Sand und dann braun oder grün oder rot anzusehen war, je nachdem, ob Blasentang, Seegras oder Rotalgen dort wuchsen. Die Herzmuscheln und die Sandmuscheln mochten sich noch so tief einbuddeln, es half ihnen nichts; sie wurden aus ihren Gründen herausgewaschen und zu Strande gebracht. Die Steckmuscheln glaubten, sie könnten sich auf ihre Verankerung verlassen, und die Uferschnecken wähnten, sich durch festes Ansaugen sichern zu können. Ja, Kuchen! Haufenweise wurden sie auf den Sand geschmissen, ganze Barren davon luden die Wellen ab, und es gereicht ihnen nicht zum Trost, daß hier ein Dorsch, da ein Butt und dort ein Knurrhahn

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/97&oldid=- (Version vom 1.8.2018)