Seite:Loos Sämtliche Schriften.pdf/178

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mauer, und da wäre, weil auch die wände mit stoff überspannt sind, die decke gerade der rechte platz gewesen. Das war ja das geheimnis des durchschlagenden erfolges, den das Otto Wagner-schlafzimmer auf der jubiläumsausstellung zu verzeichnen hatte. Wenn aber die decke auch noch den grünen ton der möbel hat, hält es ja kein mensch in der grünen sauce aus. Zudem wurde noch das unglücklichste deckenmotiv gewählt, das man sich denken kann: ein eiserner rost, um den sich laubwerk rankt. Bei regenwetter hält man es nur dann unter einem solchen plafond aus, wenn man den regenschirm aufspannt.

Das sind einwendungen, die natürlich mit dem eigentlichen zimmer, mit der tischlerarbeit, nichts zu tun haben. Diese ist vorzüglich. Die prächtigen holzschnitzereien von der hand Zeleznys, die echt tischlerische profilierung geben dem raume, trotz den neuen formen, etwas altmeisterliches. Architekt Hammel hat ihn entworfen. Er hat sich in die seele des tischlers hineingedacht und den architekten in sich zu überwinden getrachtet. Daraus folgt aber, da das zimmer zur gänze von seiner hand herrührt, daß die messingbeschläge der tischlerarbeit nicht gleichwertig sein können. Die sind nämlich auch tischlerisch und weisen sogar dasselbe ornament auf wie das holz. Das bett kann bei tage durch portièren den blicken des besuchers entzogen werden. Ich halte das für überflüssig. Es wäre schrecklich, wenn sich wieder die ansieht einschleichen würde – die in der ersten hälfte unseres jahrhunderts geltend war –, daß das schlafen und das schlafengehen etwas seien, was man schamhaft seinen mitmenschen verbergen müsse. Dafür ist der waschtisch um so praktischer, der gegen die wand zu mit kacheln verkleidet ist.

Empfohlene Zitierweise:
Adolf Loos: Adolf Loos – Sämtliche Schriften. Herold, Wien, München 1962, Seite 179. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loos_S%C3%A4mtliche_Schriften.pdf/178&oldid=- (Version vom 1.8.2018)