Seite:Loos Sämtliche Schriften.pdf/229

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Hat man die ersten seiten gelesen, so sagt man sich: aha, ein pornographisches buch. Kinder, die sich über sexuelle probleme unterhalten. Aber man liest weiter und weiter. Das buch behält den ton bei. Es wird immer „ärger“ und „ärger“. Und wenn man das buch zuklappt, dann sitzt man erschüttert da.

Wenn dieses buch doch jeder vater, jede mutter, jeder lehrer lesen würde!

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Ein herr M. M. schreibt in der „Bohemia“ eine besprechung über dieses blatt, nennt den titel „ein blatt zur einführung abendländischer kultur in Österreich“ eine „lächerliche überhebung“ und schreibt dann wörtlich: „Hoffen wir, daß schon das nächste ‚Andere‘ mit befriedigung wird konstatieren können, daß sämtliche wiener restaurants seither zu ihren salzfässern salzlöffelchen, die heute überall fehlen, angeschafft haben, und daß die wiener gasthausgäste nicht mehr genötigt sind, salz mit dem messer aufzuschaufeln, eine gewohnheit, die übrigens ihre häßlichkeit eingebüßt haben wird, wenn sämtliche gasthausgänger auch aufgehört haben werden, speisen mit dem messer zum munde zu führen.“ Diese stelle hat herr M. M. allerdings nicht hervorheben lassen. Aber ich tue es.

Denn es ist daraus wohl kaum zu entnehmen, daß die vierzig millionen menschen der monarchie es nicht nötig haben, daß ihnen abendländische kultur beigebracht werde, sicher aber, daß herr M. M. es nötig hat.

Noch so einen herrn weiß ich. Ich schrieb nämlich vor jahren einen artikel über die art, wie die wiener in den restaurants essen. Keine zeitung wollte ihn mir abdrucken.

Empfohlene Zitierweise:
Adolf Loos: Adolf Loos – Sämtliche Schriften. Herold, Wien, München 1962, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loos_S%C3%A4mtliche_Schriften.pdf/229&oldid=- (Version vom 1.8.2018)