Seite:Loos Sämtliche Schriften.pdf/245

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

weg. Bei uns kommt es vor, daß fanatiker der „ehrenseite“ die dame ruhig in pfützen steigen lassen, während sie selbst den trockenen weg gehen, wenn sich zufällig der gute pfad links befindet. Auf dem bürgersteige geht man auf der nach dem fahrdamme zugekehrten seite.


Versuch. – (1) Obstkerne spukt man in die hohle faust, die man vor den mund hält, und legt sie auf den teller. (2) Brot und semmel darf man nie schneiden. Brechen. Auch darf man nicht brot oder semmel mit der gabel aufspießen, um damit die sauce aufzutunken. Wohl kann man aber ein stück brot oder semmel in die hand nehmen und die sauce damit auftunken. Aber dazu gehören geschicklichkeit, übung und grazie.

Kleidung

F. R. – Jawohl, die „Neue freie presse“ hat recht, wenn sie beanstandet, daß die wiener im frack mit schwarzer krawatte in die oper gehen. Eine schwarze krawatte trägt man nur in demidreß, den man in Wien fälschlich smoking nennt. Aber auch da geschehen fehler. Man kann nämlich eher in Wien einen mann im „smoking“ mit weißer krawatte als eine weiße krawatte zum frack sehen. Neulich sah ich in der josefstadt gar folgendes: „smoking“ und färbiges hemd. Sie werden mir vielleicht einwenden, daß das ein schuster war. Na, sie würden sich wundern, wenn sie den namen des mannes hören würden.

Wohnung

Türaufsätze. – Die frage nach diesen sowie nach dem stil derselben könnte ich nur nach dem schema beantworten: Wo und in welchem stil soll ich mich tätowieren lassen?

Empfohlene Zitierweise:
Adolf Loos: Adolf Loos – Sämtliche Schriften. Herold, Wien, München 1962, Seite 246. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loos_S%C3%A4mtliche_Schriften.pdf/245&oldid=- (Version vom 1.8.2018)