Seite:Loos Sämtliche Schriften.pdf/71

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noch regierte, zur zeit des großen Ludwig etwa, da hat man sich nicht schmutzig gemacht, aber man hat sich auch nicht gewaschen. Gewaschen hat sich nur das gemeine volk. Die vornehmen wurden emailliert.[1] „Der muß ein schönes schwein sein, der sich jeden tag waschen muß“, sagte man damals … In Deutschland spricht man wohl noch heute so. Las ich doch diese antwort neulich in den „Fliegenden“, dort von einem vater gesprochen, als ihm sein kleiner bub die anordnung des lehrers mitteilt, daß er sich täglich waschen müsse.

Die angst vor dem schmutzigwerden kennt der engländer nicht. Er geht in den stall, streichelt sein pferd, setzt sich darauf und fliegt über die weite heide. Der engländer macht alles selbst, er jagt, steigt auf die berge und sägt bäume. Das zusehen macht ihm keine freude. Auf der englischen insel hat die germanische ritterlichkeit ein asyl gefunden und von dort aus hat sie sich nun wieder die welt erobert. Zwischen Maximilian, dem letzten ritter, und unserer epoche liegt die lange zeit der romanischen fremdherrschaft. Karl VI. auf der Martinswand! Ein unmöglicher gedanke! Allongeperücke und alpenluft! Karl VI. hätte wohl die spitzen der berge nicht als einfacher jäger besteigen dürfen! Er hätte, wenn er den für die damalige zeit seltsamen wunsch geäußert hätte, in einer sänfte hinaufgetragen werden müssen.

In einer solchen zeit hatten die plumber nichts zu tun, und auf diese weise sind sie auch um ihren namen gekommen. Wohl gab es wasserleitungsanlagen, wasser für springbrunnen, wasser zum anschauen. Aber für bäder, für douchen, für water-closets wurde nicht gesorgt. Beim waschen ging man mit dem wasser sehr sparsam um. In den deutschen dörfern mit romanischer kultur kann man

  1. [Anmerkung von Adolf Loos 1931, siehe S. 208, er hat nur die Seite angegeben und die Anmerkung nicht exakt platziert. Eine wirklich passende Stelle lässt sich aber weder auf dieser Seite noch im ganzen Text finden.] Hier wird die erste anregung zu stahlmöbeln gegeben, wie sie heute modern geworden sind.
Empfohlene Zitierweise:
Adolf Loos: Adolf Loos – Sämtliche Schriften. Herold, Wien, München 1962, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loos_S%C3%A4mtliche_Schriften.pdf/71&oldid=- (Version vom 1.8.2018)