Seite:Lucians Werke 0028.jpg

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sie mich in meiner neuen Gestalt vor, und gab ihm eine kleine Erinnerung darüber, daß er mich beinahe so übel berathen hätte. – So viel erinnere ich mich noch von jenem Traumgesichte, das mir damals vermuthlich in Folge des aufgeregten Zustandes erschien, in welchen mich die Furcht vor den Schlägen versetzt hatte.

17. „Himmel!“ – hör’ ich mich unterbrechen – „was für ein langer und umständlicher Traum!“ „Vielleicht,“ meint ein anderer, „ein Wintertraum, wo die Nächte am längsten sind. Oder wohl gar ein dreinächtiger, wie Herkules[1]. Allein was kommt ihn an, daß er uns so albernes Zeug vorschwatzt, und die Geschichte einer Nacht aus seinen Knabenjahren und eines längst veralteten Traumes aufwärmt? Eine fade Unterhaltung, fürwahr! Oder hält er uns etwa gar für Leute, die sich mit Traumdeuten abgeben?“ – O nein, mein Bester! Als Xenophon jenen Traum erzählte, wo er zu sehen glaubte, wie ein Blitzstrahl sein väterliches Haus traf (ihr kennt die Stelle[2]), that er es nicht deßwegen, weil er seine Zuhörer für Traumdeuter hielt, noch weniger in der Absicht, ihnen eine müßige Unterhaltung in dem Augenblicke zu gewähren, wo ihnen der Feind auf dem Nacken und ihre Lage verzweifelt war, sondern seine Erzählung hatte ihren nützlichen Zweck.

18. Und so habe auch ich euch diesen Traum in der Absicht erzählt, Jünglinge aufzumuntern, nach dem Bessern und Höheren zu streben, und der Wissenschaft sich zur widmen,


  1. S. Göttergespräche, X.
  2. Rückzug der Zehentausend III, 1, 9.
Empfohlene Zitierweise:
Lukian von Samosata: Lucian’s Werke. Stuttgart: J. B. Metzler, 1827–1832, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Lucians_Werke_0028.jpg&oldid=2883633 (Version vom 18.8.2016)