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vormals hennebergische Städtchen Themar sehr sagenreich, und voller mythischen Anklänge. Der Hackelmärz wohnt in der Werra und Schleuse; die Kinder fürchten ihn sehr, wenn sie baden und machen sich einander gegenseitig mit ihm zu fürchten, indem sie rufen: „Hu! Reis’ aus! Der Hackelmärz kommt!“ Sie denken sich ihn lang, dürr, graugrünbärtig, mit geschlitzten Schlappohren, der nach ihnen fahndet, wenn sie baden, und sie dann unter dem Wasser erstickt. Man kann bei dem Namen an den westphälischen und harzischen wilden Jägergeist Hackelbernd und Hackelnberg denken. Bernd ist, wenn man nicht an eine höhere mythische Deutung zu glauben geneigt ist, der zusammengezogene Name Bernhard, und März ist Martin, wie man im Hennebergischen Lurz aus Lorenz, Murz aus Moritz bildet.

Auch das Andenken der Frau Holle lebt in diesem Thale fort; die Kinder sagen, wenn es im Winter so recht in dicken Flocken schneit: Die Fra Holl schüttelt ihr Federbett aus. –

Die Macht des Hackelmärz erstreckt sich weit; zwischen der Mühle von Rappelsdorf bei Schleusingen und der Papiermühle bei Schwarzbach, am Anfange des in die Schleuse mündenden Schwarzbachs, muß der letztgenannte Fluß alle Jahre einen Todten haben.


24.
Veßra und Trostatt.

Nahe dem Ausgange des Schleusethales lag die einst reiche und berühmte Prämonstratenser-Abtei Veßra. Dort

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Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Erster Band. C. A. Hartlebens Verlags-Expedition, Wien und Leipzig 1858, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ludwig_Bechstein_-_Th%C3%BCringer_Sagenbuch_-_Erster_Band.pdf/45&oldid=- (Version vom 1.8.2018)