Seite:Luebische Geschichten und Sagen.djvu/43

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damit geht er hinaus nach dem Schiff und segelt davon. In Reußland angekommen, hält er sich etliche Jahr so ehrlich, treu und wohl bei seinem Herrn, daß der ihn zu sich in den Handel nimmt. Da beginnt er auch reich zu werden, bis endlich sein Herr, da er krank wird und sein letztes Stündlein vermerkt, auch bedenkt, daß er keine nahe Verwandte und Freunde hat, die sein Geld und Gut erben könnten, ein Testament macht und dem Morgenweg all sein wohlgewonnen Gut giebt; und damit von dieser Welt scheidet.

Da nun dieser Morgenweg nicht weit von 30 Jahren war, dachte er an seines alten Herrn Tochter, wie oftmals er dieselbe auf den Armen getragen; und beginnt sie heimlich in seinem Herzen zu lieben. Er giebt sich aber einen andern Namen und schicket seinem alten Herrn nach Lübeck viele und stattliche Güter, mit Begehren, daß er solche zu Gelde mache und ihm die und die Waaren wieder schicke. Der Herr zu Lübeck empfängt so großes Gut, daß er sich darüber verwundert; wie aber dieß Uebersenden und Wiederempfangen eine Weile fortgegangen, schicket der Morgenweg sein bestes und theuerstes Gut vorweg und folget selbst nach, legt eines geringen seefahrenden Mannes Kleider an und bringt dem Herrn die Briefe, die bei den Waaren gehörig, und bittet auf einen oder zwei Tage um Herberge, weil er fremd und unbekannt sei. Der Herr sagt ja, und nimmt ihn mit an seine

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Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/43&oldid=- (Version vom 1.8.2018)