Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/112

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Tage beurlaubt. Sie fuhren nach dem Norden an die Wasserkante.

Der Krieg schafft gute Kameradschaft. Sie besteht in hervorragendem Maße zwischen den Offizieren unter sich. Der Anruf Kamerad, der jetzt gang und gäbe ist, hat einen besonderen Unterton. „Ach, Sie auch da, Herr Kamerad, und mit so einem struppigen Bart“ — so lautete der Gruß eines Offiziers an seinen Kameraden, den er seit langem nicht mehr gesehen und jetzt durch Zufall im Felde wiederfand. Feldgrau und Feldtoilette machen die Gradunterschiede schwer kenntlich. Gute Kameradschaft wird insbesondere auch gegenüber den öfters hier anwesenden österreichischen Offizieren und Mannschaften geübt, die mit großer Aufmerksamkeit und Zuvorkommenheit behandelt werden. Es ist echtes Soldatenblut, gutgebaute, lebenslustige, bewegliche Mannschaft von gewinnender österreichischer Herzlichkeit. Die Bevölkerung ist ihnen zugetan, die Herzen der Weiblichkeit nicht ausgeschlossen.

Gutes kameradschaftliches Vertrauen besteht zwischen Offizieren und Mannschaften, im Garnisondienst wie im Felddienst. Im Felde, in der Kaserne, am Wirtshaustisch treibt der Soldatenhumor und Soldatenwitz, oft vermischt mit einem Körnchen Selbstspott, seine Blüten. Witzig bezeichnen die Soldaten die Granaten als französische Liebesgaben, als Zuckerhüte von Toul. „Die Sakramentsgranaten! Schickt's doch

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 108. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/112&oldid=3353086 (Version vom 1.8.2018)