Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/123

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noch jetzt sitzt. Sehr schwere Verluste hatte ein der Batterie als Deckungstruppe zur Errichtung von Erdwerken beigegebenes Pionierbataillon, dessen heldenmütige Haltung und kameradschaftliche Unterstützung der ungarische Batteriechef nicht genug loben kann. Der Bataillonskommandeur, ein Major von kaltblütiger Todesverachtung, hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten, eine ziemlich seltene Auszeichnung. Dem nämlichen Offizier wurde bei einer Fahrt im feindlichen Feuer der Kraftwagenführer an seiner Seite von einem Volltreffer erschlagen. Der Major setzte sich ohne Verzug in einen anderen Kraftwagen und fuhr durch das Feuer weiter. Solche Beispiele kann man genug erzählen hören. Der Krieg erzeugt zeitweise eine völlige Gleichgültigleit gegen das Leben, das bestätigen fast alle Offiziere, die im Feuer gestanden haben. Aber den Lebenstrieb und die Lebensfreude vermag er nicht zu ertöten. In die vom Granatfeuer überschütteten Schützengräben und Unterstände sucht die Truppe einen Gegenstand der Unterhaltung zu bringen. Im Unterstand der Motorbatterie befand sich zum Beispiel ein Harmonium, das aus einem teilweise zerschossenen und von seinen Bewohnern verlassenen Hause herbeigeschleppt worden war, um später dem Besitzer wieder zurückgegeben zu werden. Da wurde Harmoniumkonzert gegeben, an dem der auf seinem Beobachtungsstand fünf bis sechs Kilometer weit entfernte Batteriechef mittelst der Fernsprecherleitung

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 119. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/123&oldid=3353098 (Version vom 1.8.2018)