Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/150

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liegt in Trümmern oder ist durch Granatschüsse unbewohnbar gemacht. Jetzt, nachdem die Deutschen inzwischen bedeutend an Boden gewonnen und ihre Artilleriestellungen weiter vorgeschoben haben, liegt das Dorf außer dem feindlichen Schußbereich. Ein Teil der Einwohner ist wieder zurückgekehrt, und die deutsche Besatzung ist ungefährdet.

Von dem Walddorfe aus geht es zu Fuß durch schöne Waldwege auf einen hohen, bewaldeten Bergkamm. Unterwegs kommen wir an mehreren Stellungen, die in gedeckten Mulden für die schweren deutschen Haubitzbatterien gebaut worden waren, vorbei. Mächtige trichterförmige Gruben mit einem Durchmesser bis auf drei Meter geben Zeugnis von der Wirkung der französischen schweren Geschütze auf tote Ziele.

Der Aufstieg auf den Bergkamm ist für den Gebirgsfreund und Berggänger, der seit mehr als zwei Monaten an die lothringischen Niederungen gebannt war, ein Genuß. Wieder einmal Waldesrauschen und Tannenduft, in dem die Brust sich lüften kann. Seit gestern ist in dieser Höhenlage ein leichter Frost eingetreten, der die feuchten ausgefahrenen Waldwege besser gangbar macht. Einige Schneeflocken, die über Nacht gefallen sind, verleihen dem dunklen Tannenwald die echte Weihnachtsstimmung. Hinter dem Schleier des Dezembernebels zeichnet sich die Sonnenscheibe ab. Die Bergkuppe, die wir nach

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/150&oldid=3353128 (Version vom 1.8.2018)