Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/160

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Am Schlusse sangen diese fast ausnahmslos bärtigen, wetterfesten, in fünf Kriegsmonaten abgehärteten, doch nicht verhärteten Männer, die dutzendmal dem Feind Verderben entgegengeschleudert, die dutzendmal dem Tode ins Auge geschaut, mit ihren rauhen Stimmen das alte, ewig junge Weihnachtslied O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit.

Sie sangen es mit Kraft und Inbrunst, es wehte etwas wie Reformationsluft durch die französische Kirche. So stelle ich mir die glaubensstarken Gemeinden aus der Zeit des niederländischen Freiheitskrieges vor, aus dem uns so manche herrliche, alte Weise überliefert ist. Der Geist eines der Größten unter den Deutschen aller Zeiten ging durch den Raum, der Geist Dr. Martin Luthers, von dem das Wort stammt: Ein Mensch, sonderlich ein Christ, muß ein Kriegsmann sein und mit den Feinden in Haaren liegen. Ein Wort wie geprägt auf die heutige Zeit.

Ob gläubig, ob ungläubig, kein Mensch von Gefühl und gesunden Sinnen entzieht sich dem starken Eindruck einer aufrechten und aufrichtigen rauhen Kriegsfrömmigkeit. Jener Kriegsfrömmigkeit, welche die Heere der alten Eidgenossen wie die des großen Schwedenkönigs begeisterte und zum Kampf und Sieg führte, die in den Liedern der Sänger der deutschen Befreiungskriege, eines Ernst Moritz Arndt, eines Theodor Körner, eines Max von Schenkendorf widerklang, die am Abend des 6. August 1870 über

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/160&oldid=3353139 (Version vom 1.8.2018)