Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/194

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unserer Besichtigung waren infolge der seit vielen Tagen anhaltenden starken Regengüsse alle Gewässer so angeschwollen, daß sie ohnehin auf weite Strecken über die Ufer getreten waren und die tiefer gelegenen Geländeteile überflutet hatten.

Die Feldwachen sind in Unterständen, die Posten ebenfalls in solchen oder hinter Schutzschilden, die in den Boden oder in die Brustwehren eingegraben werden, untergebracht. Für einzelne besonders ausgesetzte Sicherungs- und Beobachtungsposten werden sogenannte Schützenlöcher in den Boden eingegraben. Stark vorgeschobene Feldwachen mit großem Schußfeld sind an Stellen, wo es gilt, einen überraschenden Angriff aufzuhalten, als kleine bastionierte Stützpunkte ausgebaut und durch geschlossene Drahtverhaue geschützt. Für die Umdrahtung eines einzigen solchen Stützpunktes sind rund fünfhundert Meter Stacheldraht verwendet worden.

Ein besonderes Gewicht wird auf die Unsichtigkeit aller Befestigungsanlagen gelegt. Die im freien Felde errichteten Schützengräben und Unterstände, Stützpunkte, Beobachtungsstände, Lauf- und Verbindungsgräben sind so angelegt, daß sie sich nicht oder möglichst wenig vom natürlichen Boden abheben und bis auf kürzeste Entfernung kaum erkennbar sind. Anderseits sind an geeigneten Stellen Scheinstellungen und Scheingräben errichtet, die das Feuer des Feindes auf sich ziehen sollen.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 190. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/194&oldid=3353175 (Version vom 1.8.2018)