Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/197

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sowie mit den Vorgesetzten durch ein ausgedehntes Fernsprechnetz verbunden sind, ergänzen diese Befestigungsanlagen. Die An- und Abmarschwege sind durch Strohwische und ähnliche auch nachts leicht erkennbare Markierungen kenntlich gemacht. Während unserer Besichtigung des einen Regimentsabschnittes knatterte es drüben in dem ausgedehnten, einige hundert Meter vor der deutschen Front liegenden Walde, dessen Name in den amtlichen Mitteilungen der obersten Heeresleitung über die August- und Septemberkämpfe oft genannt worden ist, unaufhörlich. Dort scharmutzieren die deutschen Erkundungspatrouillen fortwährend mit den französischen Feldwachen und Postierungen. Ruhig arbeiten die Leute in den Stellungen weiter, als ob es eine Hasenjagd wäre. Diese kleinen Gefechte gehören zum täglichen Brot und bilden eine die Truppe antreibende Abwechselung in den ermüdenden, gleichmäßigen Befestigungsarbeiten. Unter der Führung des Regiments-Kommandeurs Oberst K... hatten wir die Stellungen abgeschritten. Der Oberst versicherte uns beim Abschied, daß er mit seinem Regiment einem vierfach überlegenen Gegner stand zu halten sich anheischig mache, und daß jede seiner Kompanien in ihrer verstärkten Stellung einem feindlichen Bataillon die Spitze zu bieten vermöge. Das scheint mir keine Übertreibung, sondern der Ausdruck eines festen Willens und des aus sich selbst und auf die Tüchtigkeit der Truppe abstellenden Vertrauens zu sein.

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 193. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/197&oldid=- (Version vom 1.8.2018)