Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/205

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die nötigen Reserven, einige Bataillone und zwei Feldbatterien hinter der Front zu verschieben und an der gefährdeten Stelle einzusetzen. Dabei zeichnete sich ein Landsturmbataillon, das sonst als Etappentruppe hinter der Linie stand, aber nun in die Gefechtsfront vorgezogen wurde, durch seine mutige Entschlossenheit aus, so daß seinem Eingreifen ein wesentlicher Anteil an dem schließlichen Erfolge der Deutschen zugemessen werden muß. Ein neues Beispiel dafür, daß der deutsche Landsturm auch als Gefechtstruppe verwendbar ist. Durch einen flankierenden Gegenstoß wurde der Angriff der Franzosen pariert und abgewiesen. Die französische Feldartillerie, deren Tüchtigkeit sonst deutscherseits große Anerkennung findet, versagte hier.

Die technische Überlegenheit des französischen Feldgeschützes, dessen Brennzünder auf siebentausendfünfhundert Meter gestellt werden kann, gegenüber dem deutschen Feldgeschütz wird von den deutschen Artillerieoffizieren ohne weiteres zugegeben. Auch die Schießtüchtigkeit der französischen Feldartillerie wird anerkannt, wenn es sich um das Schießen auf bekannte Entfernungen handelt. Bei überraschenden Gefechtslagen, die eine schnelle Entschlußkraft und ein rasches Einschießen auf unbekannte Entfernungen erfordern, soll sich dagegen die französische Feldartillerie weniger gewandt und geschickt gezeigt haben. In der artilleristischen Gefechtsführung erkennen die Deutschen den Franzosen keinen Vorsprung und keine Überlegenheit

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 201. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/205&oldid=3353188 (Version vom 1.8.2018)