Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/21

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ohne weiteres die Brücke überschreiten und die Gräber besuchen; es sind zwei lange Reihen, eine Reihe birgt die Deutschen, die andere die Franzosen. Über hundertundzwanzig Brave liegen hier im kühlen Schoß der Erde. Auch diese Gräber sind mit Kreuzen einfachster Art, mit Kränzen und Blumen geschmückt, die französischen fast reicher als die deutschen. Eine Kreuzstange auf dem Franzosengrab zeigt die verblichenen Farben blau-weiß-rot. Einige Schritte abseits ist eine Gruppe von Offiziersgräbern, acht deutsche und fünf französische Offiziere liegen hier friedlich nebeneinander; fast jedes Grab trägt den Namen, einige auch die Einteilung der Gefallenen. Von den Deutschen ist einer Generalmajor, drei sind Hauptleute, die übrigen Leutnants gewesen, alle von den Infanterieregimentern 169 und 170. Von den Franzosen waren zwei Hauptleute, drei Leutnants. Ein französisches Hauptmannsgrab trägt auf dem Kreuz außer dem Namen des Gefallenen die Widmung des Freundes, der das Kreuz und das blau-weiß-rote Band gestiftet, das am Kranze befestigt ist. Ein deutsches Grab, das mit einem etwas kunstvolleren Kreuze geschmückt ist, trägt die Inschrift:

Generalmajor v. Koschenbahr
Kommandeur der 84. Inf.-Brig.
Gefallen Mülhausen E.
9. August 1914.

In Modenheim sind zum Freimachen des Schußfeldes ganze Obstgärten umgeschlagen. Sonst

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/21&oldid=3353193 (Version vom 1.8.2018)