Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/217

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empfohlen, und mancher vorher abstinente Arzt soll seit dem Beginn des Feldzuges für sich selbst und für die ihm anvertraute Truppe der Abstinenz Valet gesagt haben.

Dem vorzüglichen Gesundheitszustand der Truppe entspricht auch ihre Gemütsstimmung und geistige Verfassung. Man sieht keine verdrossenen Gesichter. Der frische, fröhliche soldatische Geist, die gute Kameradschaft, das anständige Betragen und die gute Haltung der deutschen Soldaten im Felde müssen jedem aufmerksamen Beobachter angenehm in die Augen fallen. Felsenfest ist die Zuversicht und der Glaube an den Sieg beim letzten Manne. Eine von solchem Geiste beseelte Truppe ist unter der Führung eines so fähigen und pflichtbewußten Offizierskorps, wie es das deutsche ist, den größten Aufgaben gewachsen, und so ist das stolze Wort jenes Regimentskommandanten, daß er in diesen vorbereiteten Stellungen einer vierfachen Übermacht Stand zu halten vermöge, kein leerer Schall.

Die drei Tage, die ich im Stabsquartier und in den Stellungen des vom General v. T. befehligten Heereskörpers im Gebiet der Ausläufer der französischen Vogesen verbracht habe, haben mich einen genauen Einblick tun lassen in die Mittel und Wege, deren sich die neueste Kriegsführung für den Stellungskrieg bedient, und im Verkehr mit diesem Offizierskreise hat sich meine Achtung vor der soldatischen Tüchtigkeit, dem hohen Bildungsstand, der ernsten Pflichtauffassung, der glühenden Vaterlandsliebe und der liebenswürdigen

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 213. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/217&oldid=- (Version vom 1.8.2018)