Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/22

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ist auch diese Ortschaft unversehrt. Am Ende des Dorfes aber, an der Straßenkreuzung Modenheim-Sausheim-Mülhausen steht die Ruine eines ausgebrannten Wirtshauses, das auf der einen Wand die Aufschrift trägt Brauerei Lasser, Lörrach, und neben dem Eingang zur Wirtschaft die Worte: Inhaber Michel Litt, Telephon 1555. Auch dieses Haus ging in der Schreckensnacht vom 9. August in Flammen auf. Der Inhaber der Wirtschaft wurde, weil daraus gefeuert worden sein soll, zum Verhör abgeführt; seinen Knecht, der sich in der Trunkenheit wehrte, mitzugehen, habe man am Morgen erschossen an der Straße gefunden. So erzählt mir auf Befragen ein Bürger, der mit einem Karren von Mülhausen nach Sausheim fährt. Drüben, jenseits der Straße, etwa hundert Meter Mülhausen zu, liegt ein großes landwirtschaftliches Gehöft in Schutt und Trümmern. Dreizehn Kühe seien bei dem Brande zugrunde gegangen. Gegenüber dem abgebrannten Wirtshaus liegt ein parkähnliches Gebüsch. Abgebrochene Zweige, Überreste von Stroh und kaum mehr sichtbare Brandstellen zeigen, daß hier eine französische Feldwache zur Sicherung und Beobachtung gegen die Napoleonsinsel und den Hardtwald zu, biwakiert hat. Nahe dabei, längs der Straße nach Sausheim erblickt man noch die schon wieder ausgebesserten Spuren von Schießscharten, welche die Franzosen in die Umfassungsmauer eines großen Gutes hart über dem Boden gebohrt hatten, um von da aus gedeckt

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/22&oldid=3353204 (Version vom 1.8.2018)