Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/224

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auch in anderen Abschnitten festgestellt wird. Sehr günstig lautet im allgemeinen das Urteil über die französischen Offiziere, über die ich aus dem Munde deutscher Offiziere oft genug Worte höchster Anerkennung und Achtung vernommen habe. Die Ausbildung der Truppe, ihre soldatische Haltung und Ausdauer sind verschieden. Die aus älteren Leuten bestehenden Territorialtruppen, die jetzt vielfach auch als Gefechtstruppe in der Front verwendet werden, werden deutscherseits nicht besonders hoch eingeschätzt.

In Anbetracht der sehr schwer anzugreifenden beherrschenden französischen Stellungen muß die Wiedergewinnung des östlichen Teils der Höhe 425 als ein schöner taktischer Erfolg und als eine rühmliche Waffentat bezeichnet werden. Um den Besitz der Höhe wird weitergekämpft. Über den Kamm hinüber ziehen sich durch die Rebberge vom Südfuße bis in das Tälchen von Steinbach hinunter und von da dem Berghange nach über Uffholz bis gegen Wattweiler die beiden Kampflinien, die sich auf einzelnen Strecken bis auf achtzig Meter gegenüber liegen. Hüben und drüben hat man sich eingegraben. Zwischen den Kämpfenden liegen heute noch die Leichname von über hundert Franzosen. Man versichert mir, daß einem Begehren um Waffenruhe zu ihrer Beerdigung deutscherseits ohne weiteres, ja sogar sehr gerne entsprochen würde. Ein Offizier erzählt mir, daß noch am sechsten Tage nach dem Gefecht vom 7. Januar ein französischer Verwundeter in einen deutschen

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 220. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/224&oldid=3353209 (Version vom 1.8.2018)