Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/33

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Backsteinhaus völlig durchlöchert, im Innern liegen die Wände in Trümmern. Eiserne durchschlagene Bettstellen liegen im Hofraum. Etwa dreißig Meter davor ist ein sehr sorgfältig und stark ausgebauter Graben für stehende Schützen mit Unterstand und Laufbrücken angelegt. Das haben die Deutschen den Franzosen abgelernt, meint mein elsässischer Führer. In der Nähe ein Grabhügel; das mit verwelkten Kränzen und Helmüberzügen geschmückte Kreuz trägt die Inschrift:

Hier ruht Qberleutnant Scherrer mit 22 Mann vom Landwehr-Inf.-Reg. Nr. 40 Rastatt.

Eine Kranzschleife trägt die Inschrift: Gewidmet vom Landwehr-Infanterieregiment Nr. 40. Von einer zweiten weißen Schleife liegt das eine Band, vom Winde losgelöst, schon auf dem Grabhügel, die goldenen Buchstaben sind zur Hälfte abgefallen; das andere Band hängt noch unversehrt am Kranze und trägt die Worte: Ihrem verehrten Kompanieführer. Der Kranz war also offenbar von der Kompanie gestiftet.

Von den dreiundzwanzig hier begrabenen Landwehrleuten trugen alle, bis auf einen, Eheringe. So versichert mein Führer.

Kaum zweihundert Meter von dieser Grabstätte entfernt ist wieder ein größeres Massengrab mit wohl an die hundert Toten. Auch diese meist Deutsche. Die Franzosen, die Herren des Schlachtfeldes blieben und die Deutschen hauptsächlich durch ihr Artilleriefeuer zum Rückzug zwangen,

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/33&oldid=- (Version vom 1.8.2018)