Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/41

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

In Frankfurt a. M. sollte ich mich der Reisegesellschaft der Berliner Vertreter der neutralen Presse anschließen, aber der Anschluß gelang nicht. Ich hatte es nicht zu bereuen. Verschaffte mir der verfehlte Anschluß doch eine wunderbare Fahrt über Mainz, Bingen, über den Hunsrück ins Moseltal bis nach Trier. Ich verdankte meine Weiterbeförderung der kameradschaftlichen Liebenswürdigkeit eines Offiziers vom stellvertretenden Generalkommando, bei dem ich mich gleich nach meiner Ankunft in Frankfurt meldete und meine Ausweise vorlegte. Am folgenden Morgen früh sechs Uhr wurde ich in einem Estafetten-Kraftwagen, der, vollgestopft mit Liebesgaben, zu der bei Laon stehenden Armee fuhr, verstaut. Mein Reisebegleiter war der Maler Ernst Vollbehr, der kurz vor Kriegsausbruch von einer mit dem Afrikaforscher Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg unternommenen Afrika-Durchquerung zurückgekehrt war und nun als einer der sieben behördlich beauftragten Kriegsmaler des deutschen Heeres einer Armee folgt, um die weltgeschichtlichen Vorgänge auf dem Kriegsschauplatze im künstlerischen Bilde festzuhalten und der Nachwelt zu überliefern. Unser Kraftwagenführer ist ein hochgebildeter Fabrikbesitzer aus Mitteldeutschland, ein bekannter Herrenfahrer und Gewinner mehrerer Preise im Wettfahren; sein Gehilfe ist ein Architekt. So tut jeder, hoch und niedrig, ohne Unterschied des Ranges und Standes, seinen Dienst gerade

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/41&oldid=- (Version vom 1.8.2018)