Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/87

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


sogar den Hauptmann wiedererkennen. Die guten Leute haben auch zwei Söhne im französischen Heere stehen, von denen sie seit der Mobilmachung am 1. August ohne Nachricht sind.

Die Kriegergräber bei der Mühle von Serrouville werden in guter Hut sein. Die Müllersleute werden sie hegen und pflegen, aus menschlichem Mit- und Pietätsgefühl, aus Achtung vor der Hoheit des Soldatentodes und vielleicht auch ein klein wenig aus verzeihlicher Berechnung. Denn über Jahr und Tag, wenn der Krieg, so die Geschicke es fügen, zu Ende sein wird, werden Hunderte und Tausende aus Deutschland und aus Frankreich an die Stätten pilgern, wo die fürs Vaterland gefallenen Väter, Söhne, Brüder und Geliebten im kühlen Schoß der Erde ruhen. Und Jahr für Jahr wird sich die Pilgerfahrt des jüngeren Geschlechtes wiederholen in die Gegenden, wo jetzt der Krieg tobt, während die Alten, wie schon seit 1870, den Gräbern von Spichern und Wörth, von Mars la Tour und Gravelotte, ihre Huldigung darbringen.




Im zerstörten Longwy

Während sich in den Tagen vom 22. bis 26. August die fünfte deutsche Armee durch die siegreichen Schlachten von Longwy und Longuyon die Tore nach der Woevre und an die Maas öffnete, wurde die Artillerie eines Armeekorps nebst einer starken Infanterie-Abteilung mit der Beschießung

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/87&oldid=- (Version vom 1.8.2018)