Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/89

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belgischen Grenze den modernen Geschützen nicht mehr standzuhalten vermögen. Ober- und Unter-Longwy zählten vor dem Kriege zusammen eine Bevölkerung von neun- bis zehntausend Seelen, von denen etwa dreitausend auf die Zitadellen- und Soldatenstadt Longwy-Haut entfielen. Der Bau der Festung Longwy wurde 1678 nach dem System Vauban begonnen. Über dem südlichen, fast unbeschädigten äußeren Stadttore stehen die Jahreszahlen 1683 — R 1859, die sagen, daß der Festungsbau im Jahre 1683 beendigt und im Jahre 1859 gründlich erneuert worden ist. Nach dem Deutsch-Französischen Kriege wurden die Festungswerke abermals wiederhergestellt. Auch eine Wasserversorgung wurde eingerichtet, die Überbleibsel des Wasserturms tragen die Jahrzahl 1876. Der Stadtkern, dessen Straßenzüge rechtwinklig angelegt waren, hatte einen Durchmesser von etwa dreihundert Metern und war von einer zweifachen, an einzelnen Stellen von einer dreifachen Umwallung mit gemauerten Wallgräben und vorgeschobenen Bastionen umgeben. Die vorspringenden Bastionen waren mit drei, die einspringenden Ecken und die zwischen den Bastionen liegenden Wälle mit zwei Gräben versehen. Je ein Paar von inneren und äußeren Toren, die unter sich und mit der Außenwelt durch Zugbrücken verbunden waren, schloß die Stadteingänge zu der in süd-nördlicher Richtung angelegten Hauptstraße, der Grande Rue ab. Alles in allem eine recht altertümlich anmutende Festung.

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/89&oldid=3353310 (Version vom 1.8.2018)