Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/93

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oberhalb Longwy-Bas auf ihrem Felsenkern thronende Festungsstadt. Der Verkehr auf der die beiden Stadtteile verbindenden Straßenbahn ist selbstverständlich eingestellt. Am südlichen, fast unbeschädigten Stadttor weise ich den Erlaubnisschein zum Betreten der zerstörten Festung vor und erhalte Einlaß mit der ausdrücklichen Bemerkung: auf eigene Rechnung und Gefahr. Denn das Herumwandern in dem Wirrsal von Ruinen und in den Kasematten, deren Gewölbe durchgeschlagen sind, verlangt Vorsicht. Die zerbogenen Schienen der Straßenbahn und ein großes kreisrundes Loch vor dem Stadteingang geben einen Vorgeschmack von der Gewalt der einschlagenden Granaten. Am Tore, das den Namen Porte de France trug, steht jetzt eine Tafel mit der Aufschrift: Deutsches Tor. Unter dem Torbogen sind noch verschiedene Bekanntmachungen angeschlagen, unter anderen eine, die in großen Lettern ankündigte: Ville de Longwy, Théâtre de ville. Samedi 4 juillet. Tournée Karrenbauer: Brevannes. Wir überschreiten den neueren Wallgraben auf der Zugbrücke und überblicken, nachdem wir auch den Bogen des inneren Tores durchschritten haben, mit einem Male die unbeschreibliche Verwüstung. Der deutsche Offizier, in dessen Begleitung ich einen meiner Besuche auf dem Trümmerfelde machte, versichert mir, daß das Bild im kleinen genau dem von Messina nach seiner Zerstörung durch das große Erdbeben gleiche, dessen Schauplatz er kurz nach

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 89. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/93&oldid=- (Version vom 1.8.2018)