Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/94

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der Katastrophe besucht habe. Die Mitte der Hauptstraße und der wichtigeren Nebenstraßen, von denen die eine nach dem Straßenschild den Namen Rue d’Alsace trägt, sind von deutschen Soldaten und unter ihrer Aufsicht stehenden einheimischen Arbeitern aufgeräumt worden, so daß sie jetzt bequem zu durchschreiten sind. Von vielen Häusern ist kein Stein auf dem andern geblieben. Da die deutsche Beschießung sich konzentrisch gegen die Nordfront der Stadt und Festung richtete, ist im südlichen Stadtteil verhältnismäßig die Zerstörung noch am geringsten. Von der Kaserne, vor der mächtige Haufen Granaten und alte Rundgeschosse größeren und kleineren Kalibers (alte Bomben und Handgranaten?) in regelmäßigen Haufen aufgeschichtet liegen, und von dem Gebäude der Festungsverwaltung stehen noch die Umfassungmauern. Das Verwaltungsgebäude trägt die unversehrte Aufschrift: Manutention militaire. Davor sind eine Menge Mehlkasten aufgeschichtet. Auf den Plätzen stehen halbzertrümmerte Fuhrwerke aller Art, darunter auch ein von einer Granate getroffener Kraftwagen, zu einem Park zusammengestellt. Ein noch einigermaßen erhaltenes Gebäude ist als Hôpital bezeichnet, und der Karbolgeruch in seiner Umgebung bekundet seine Zweckbestimmung. In der schönen, im Rokokostil erbauten Kirche, auf deren stark beschädigtem Turme jetzt eine deutsche Fahne flattert, hängen an den Wänden einige schöne Gemälde, in den Nischen stehen die Altäre, Heiligenbilder

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/94&oldid=- (Version vom 1.8.2018)