Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/98

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nicht ohne daß mir mein Begleiter die Mahnung zu erhöhter Vorsicht mitgibt. Es bedarf keiner Aufforderung dazu, den Aufenthalt in dem düstern, unheimlichen Raume nicht lange auszudehnen. Denn ein durchdringender Leichengeruch strömt mir entgegen ... Unter Schutt und Erde liegen hier noch französische Leichen. Viele sind schon ausgegraben und bestattet worden. Auch diese werden eine ehrliche, anständige Ruhestätte erhalten.

Ich suche wieder Luft und Licht der Oberfläche auf und mache mich auf den Heimweg: Im Vorbeigehen lese ich am Rathaus in Majuskeln gemeißelt das Wort: Justice. Daneben zwei Bekanntmachungen. Die eine beginnt:

Vente par suite de saisie immobilière de deux maisons. Die andere: Vente par licitation d'une maison avec jardin au plus offrant et dernier enrichisseur, etc.

Käufer und Verkäufer brauchen sich heute keine Sorgen zu machen. Longwy-Haut ist gewesen. Es wird auch kaum wieder aufgebaut werden.

Im Überschreiten der Brücke über den Festungsgraben der unbeschossenen Südfront der Umwallung blicke ich hinunter: freundliche Gärtchen liegen im Grunde. Hier haben die französischen Festungssoldaten ihr Gemüse, ihren Kohl und ihre Zwiebeln gepflanzt.

Ich schlage den Weg nach Longwy-Bas ein. Etwas außerhalb des Festungstores stehen links an der Straße drei Häuser, zwei davon, die beiden äußeren, sind von Granaten, die wohl zu hoch

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/98&oldid=- (Version vom 1.8.2018)