Seite:Mein Freund Coy.pdf/110

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Und seltsam war mir zumute … Seit Monaten wieder einmal die Nähe eines Weibes, das nicht nach Tran und anderen Hausingredienzien araukanischer Abkunft duftete! – Seltsam zumute. Seltsam die ganze Szene …

Ich setzte mich neben die Fremde. Meine tastenden Hände spürten die doppelte weiche Decke, in die sie gehüllt war. Aber sie ruhte auf naßkaltem Gestein. Ich nahm sie in die Arme, legte sie in meinen Schoß, drückte sie sanft an mich. Ihr Kopf ruhte an meiner rechten Schulter.

Olaf Karl Abelsen, du hattest doch einst alle Unterröcke zum Teufel gewünscht … Und hier nun?! Der Geist ist stark, aber das Fleisch ist schwach, und seit langem spürte ich wieder einmal, daß ich nicht nur El Gento, der Draufgänger, sondern auch Mann war … Mann, Geschlechtswesen!

Dieses Parfüm der Unsichtbaren war ja auch so merkwürdig aufreizend. Meine Gedanken glitten rückwärts … Erleuchtete Säle, dekolletierte[1] Frauen, weiche Musik, – – Menschen aus jener Welt, der ich Lebewohl gesagt … Erleuchtetes trauliches Zimmer, und im weichen Klubsessel auf meinen Knien im Dämmerlicht einer kleinen Teetischlampe das Weib, das mich nachher verraten. Erleuchtetes Gemach in einem der zierlichen Häuser einer Küstenstadt des Fürstentums Saravak, Borneo. Fürstentum von Malaien, der Fürst ein Engländer, Radscha Sir Brook. Öllampe duftet, dunstet, eine braune schlanke Schöne in meinen Armen …

Erinnerungen …

Und hier in der Tiefe einer Schlucht, von Eishauch und Gestank erfüllt, auf meinem Schoße

  1. Vorlage: dekollettierte
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Mein Freund Coy. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1929, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Mein_Freund_Coy.pdf/110&oldid=- (Version vom 1.8.2018)